Mein Sohn ist ein ausgesprochener Sonnenschein. Er wacht morgens bereits mit einem Lächeln auf. Das hat er nicht von mir - ich gehöre in die Kategorie „Morgenmuffel“. Ich habe zwar gelernt, das nicht an anderen auszulassen, aber trotzdem ist es mir lieber, wenn man morgens um 6 Uhr nicht allzu viel von mir möchte …

Den Rest des Tages bin ich aber glücklich und zufrieden. Und das hat mein Sohn vielleicht ja doch von mir. Denn während der Recherche zu „Felix oder Zehn Dinge, die ich an dir liebe“ bin ich auf Studien gestoßen, die belegen (wollen), dass Glück „erblich“ ist. (Ich habe mich zuerst mal bei meinem Eltern bedankt … Nein, nein, so einfach ist es natürlich nicht.)

„Glück“ heißt hier: die zufriedene Grundeinstellung, auf die man sich immer wieder einpendelt. Bei meiner Recherche hatte ich mir ein schönes Zitat aufgeschrieben, das damals ideal auf den „Felix“ zu passen schien (ich weiß noch genau, wie ich in der Stadtbibliothek in München saß und mir das abschrieb):

„[…] die stabile Komponente Wohlbefinden sei zu 80% genetisch fixiert, so dass das Streben eines Menschen, glücklicher zu werden, ebenso vergeblich sei, wie 10 cm wachsen zu wollen.“

So fasst Anton Buchner in „Psychologie des Glücks“ (Beltz 2009) die Aussagen zusammen, die Lykken & Tellegen 1996 als Fazit ihrer Studie („Happiness is a Stochastic Phenomenon") an Zwillingspaaren zogen. Für meinen Roman schien das perfekt: Felix will sich unglücklich machen, aber es gelingt ihm leider nicht so recht. Denn auch das Streben, unglücklicher zu werden, wäre in dem Fall ja vergeblich!

Letztendlich hat es dieses Zitat nicht in den Roman geschafft, aber das ist bei der Recherche ganz oft so: Das, was der Leser in den Händen hält, ist nur die Spitze des Eisbergs. Alles darunter ist notwendig, aber nicht sichtbar.

Und das Glück? Nun ja: Ungefähr ein Drittel machen die Gene aus. Das ist weniger als 80%, aber die Forschung zu einer gewissen grundlegenden Glücksdisposition und die daraus folgenden Schlüsse bleiben interessant. „The Economist“ berichtete in einem Artikel („Transporter of Delight“, 15. Oktober 2011) über aktuelle Studien, die Gene für die persönliche Zufriedenheit identifiziert haben (etwa die Studie „Genes, Economics and Happiness”). Der Rest ist von äußeren Faktoren abhängig. Auch wenn man nicht 10 cm wachsen kann, so kann man sich doch vielleicht recken und strecken …

Nicht neu, aber sehr zu empfehlen ist, ganz klar, manchmal innezuhalten und überhaupt zu merken, dass man gerade einen glücklichen Moment erlebt. Das fördert die innere Zufriedenheit enorm. Innehalten und achtsam sein. Zum Beispiel, wenn man bereits morgens um 6 Uhr von seinem Sohn angelächelt wird.